Lichtmalerei Fotograf René Schäffer Halle

Diplom

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Lichtmalerei

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DIPLOM

 

-theoretischer Teil-

 

René Schäffer

 

Hochschule für Kunst und Design Halle

 

Burg Giebichenstein Kunst Malerei/Grafik

 

Fachbereich Glas – Die Glasklasse

 

Betreuung:

 

Gesamt: Frau Prof. Christine Triebsch – Leiterin Glasklasse

 

Theorie: Peter Möller – wissenschaftlicher Mitarbeiter Glasklasse

 

Praxis: T.O. Immisch – Kustos Photographiesammlung Moritzburg

 

Ich will einfach sein

 

Ich will ehrlich sein

 

Ich will weite Grenzen finden um zu verstehen

 

Ich will mich klären und erklären

 

werden oder sein

 

Ich will ein weites Bild von mir und dem was mich umgibt

 

Ich will viel selbst sagen

 

Und Du wirst es lesen oder auch nicht

 

(Ein Gruß an LUCA)

 

Hallo G., Halle (Saale), 24. 9.2006

 

schade, daß Du nicht da bist.

 

Ich habe nun mein bis jetzt größtes Projekt, Du weißt schon… Ich muß mit jemandem darüber sprechen und hoffe, Du magst Dich damit auseinandersetzen. Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, daß Du ein offenes Ohr für mich hast.

 

Bevor ich Dir jedoch in Ruhe über das Projekt schreiben kann, muß ich Dir ein bißchen die Ohren voll heulen.

 

Ich hab´ Wut und irgendwie auch nicht, ich bin verliebt und habe Streß, keinen Bock aufzuräumen und eigentlich würde ich den schriftlichen Teil am liebsten sein lassen. Du weißt, ich bin nicht grade Goethe, aber ich will ja was sagen, und das muß ich ja auch. Wäre doch schade, wenn ich es unter diesen Umständen jetzt nicht schaffen würde.

 

Also, ich habe noch genau vier Wochen Zeit bis zur Präsentation. Jetzt heißt es ranklotzen, – Endspurt: Wenig rauchen, wenig trinken, früh ins Bett und früh wieder raus. Dafür konzentriert und konsequent (Fremdwort, welches ich endlich vage zu verstehen beginne) auf das Ergebnis zuarbeiten.

 

Die Grundvoraussetzungen sind gut: Ich habe Bilder und eine Idee. Ich habe die Technik, das Know-how und etwas Knete.

 

Ich habe einen Raum, einen ziemlich geilen sogar, und ich habe den Termin:

 

24. Oktober 2006, 15.30 Uhr, Händelstraße 16 in Halle

 

Ich hoffe, Du kommst, spätestens zu meinem Geburtstag am achtundzwanzigsten.

 

Natürlich kriegst Du noch eine Einladung, – wenn sie fertig gedruckt ist, vielleicht heute noch.

 

Ich habe die geheime Hoffnung, da wir meinen Geburtstag bei meinen Bildern feiern können, habe das aber noch nicht genauer erfragt.

 

Jetzt geh´ ich erstmal zu Lisa, Sushi essen. Das bessert meine Laune. – Bis gleich.

 

Ich war bei Lisa. Ich glaub´, ich bin verliebt. Ich dachte, das geht gar nicht, und eigentlich geht das auch gar nicht, und sie sagt dazu auch nichts, nein, das tut sie nicht. Aber irgendwie doch, oder nicht  Ich lass mir erstmal  ´ne Wanne ein, früh halb sechs.

 

Ich hab´ Sushi gegessen, das hilft. Dann Capoeiratraining mit Bobby, das hat auch gutgetan. Lisa ist nicht verliebt in mich. Macht nichts, ich freu´ mich trotzdem, mal wieder so ein Gefühl zu haben.

 

Na, wie gesagt: Vielleicht ist das Diplom jetzt mein größtes und längstes Projekt überhaupt.

 

Die Zeit muß ich nutzen!

 

Das heißt: Meine Grenzen ausloten und innerhalb derer so gut wie möglich agieren.

 

Es werden 12 – 15 Bilder.

 

Es gibt dann drei Gruppen von Bildern:

 

1. Die Theaterbilder. Du weißt schon, die von dem Shakespearestück im Schloß in Dieskau, mit denen alles angefangen hat, mal abgesehen von den Telefonbildern.

 

2. Die einfachen malerischen Raumsituationen aus Halle

 

3. Und eventuell ein Stück Fotovideo mit Blättern im Fluß.

 

Das Ganze soll ein bißchen mystifiziert dargebracht werden, ähnlich wie in einem Museum oder einer Traumkammer. Es wird einen großen Saal geben, in dem aller Wahrscheinlichkeit nach 12 auf Leinwänden gedruckte Photographien in fetten Goldrahmen hängen. Ein vorsichtiges Klangerzeugnis, welches das Gehen durch die Nacht akustisch erlebbar machen soll, ist auch angedacht. Marcel vom Klangwerk will sich darum bemühen und wahrscheinlich auch um das besagte Stück Fotovideo von dem Fluß mit den schwimmenden Blättern.

 

Zuerst werde ich die ausgewählten Bilder zu einem Ganzen fügen und sehen, ob sie zusammen funktionieren.

 

Um meinen aktuellen Gedankenstand verbal auszudrücken, werde ich eine Gliederung nutzen. Hier ist sie:

 

1. GOTT – Das allumfassende innerste Prinzip von Allem (was ich mir vorstellen kann) erfindet:

 

2. ENERGIE – Und als Spezialform von dieser:

 

MATERIE – Diese Energie ordnet sich zu verschiedenen Gruppen:

 

Photonen, Atome, Moleküle, Strudel von Molekülen, Planeten, usw., und einer davon ist der, auf dem wir leben, die:

 

3. ERDE – Unser blauer Planet, auf dem sich das:

 

LEBEN ? Erfindet, und um zu meinen Bildern zu gelangen, der:

 

4. MENSCH – Als Wesen, welches:

 

KULTUR und da wieder

 

KUNST schafft, und schon bin ich bei mir und

 

5. MEINE(n) BILDER(n) und ihrem Bezug zu:

 

GOTT

 

Du kennst mich gut und wirst mir glauben, daß ich wieder mal anfange zu zweifeln. Ich hoffe, Du wirst mir helfen, diese Zweifel auszuräumen. Mit einigen Leuten habe ich über diese Gliederung gesprochen, und zu meiner Verwunderung haben sie sie alle verstanden und fanden sie schlüssig.

 

Es ist seltsam: Ich wundere mich jedes Mal, wenn das, was ich denke, auch von anderen verstanden wird. Wahrscheinlich habe ich bisher für meine Gedanken zu viel Kritik bekommen, als daß ich einfach an mich glauben könnte. Das ist schade, doch ich arbeite daran, wieder Mut und zu mir selbst zu finden. Was bleibt mir übrig, wenn ich leben will.

 

Jedenfalls möchte ich die einzelnen Punkte der Gliederung beleuchten und verknüpfende Elemente finden, um zu einer möglichst umfassenden Einschätzung meines Tuns zu gelangen. Ich hoffe, daß ich zwischen den Gliederungspunkten einen Faden spinnen werde, dem man dann auch nachgehen kann.

 

Kerstin sitzt gerade da, und wir machen sehr befreiende Übungen und haben Gespräche, wie ich sie so wohl mit niemand anderem haben kann. Es ist schön, wieder nach mir selbst zu suchen und etwas zu finden.

 

Anbei schicke ich Dir meinen Text, vielleicht siehst Du ihn Dir mal an und gibst mir ein Feedback?

 

Liebe Grüße an EVA … René

 

1. GOTT

 

Ich fange beim Urschleim an. Gott ist Energie, ist Kraft und Bewegung Gott meint für mich das größte oder kleinste, stärkste oder empfindlichste und tiefste und höchste vorstellbare Prinzip in Allem.

 

An dieser Stelle möchte ich ein sehr treffend formuliertes Zitat einfügen zum Thema  “Ich als Zentrum”:

 

Wenn wir die Zyklen des Lebens sorgfältig betrachten, wird in unserem Bewußtsein eine sehr merkwürdige Art von Relativierung stattfinden. Auf einer Kugel befindet man sich überall am gleichen Ort, weil östlich von Ihnen genausoviel ist wie westlich von Ihnen. Der gleichen Logik zufolge ist jeder Punkt auf einer Kugeloberfläche das Zentrum eines Kreises. Und wenn es zutrifft, daß wir in einem gekrümmten Raum-Zeit-Kontinuum leben, können jeden Planeten als das Zentrum des gesamten Universums ansehen. Deshalb befindet sich jeder Mensch in der Situation Gottes – als der Kreis, dessen Zentrum überall und dessen Peripherie nirgendwo ist.

 

Warum tun Sie irgend etwas? Wegen einer Begierde? Wenn Menschen von ihren grundlegenden Begierden sprechen, nennen sie diese Instinkte.

 

Sie versuchen also, Begierden als Triebe hinzustellen. Wir alle fühlen uns getrieben, und doch machen wir uns nicht klar, daß die Energie eines Triebes wir sind. Wenn Sie sich angewöhnen, sich von dem, was Sie erleben, als der Erlebende oder derjenige, der das Erlebte kennt distanzieren, werden Sie sich wie eine von Ihren Begierden und Trieben getriebene Puppe fühlen, was auch immer Sie treiben mag.?

 

(Allen Watts: Zen, Stille des Geistes. theseus-Verlag, 2001. S. 41ff.)

 

Das, was man Gott nennt, generiert man sozusagen in sich selbst. Gott ist so groß, wie man ihn sich vorstellen kann.

 

Das soll reichen. Näheres zu erörtern würde Diskussionen erfordern, denen ich in dieser monologischen Form nicht gerecht werden kann.

 

Jeder wird eine eigene Vorstellung von Gott haben, es sei denn, er gehört einer Religion mit klar definierten Gottheiten an oder schafft es aus Phantasielosigkeit oder Desinteresse nicht, sich eine eigene Vorstellung zu machen. Oder er weigert sich absolut, zu glauben, dann ist sein Gott sehr klein. Macht aber nichts. Wenn jemand nicht glauben will (wahrscheinlich deshalb, damit er leichter sterben kann), glaubt er meiner Meinung nach trotzdem an etwas, zum Beispiel an Schwerkraft oder an die Verdauung. Ich selbst glaube an ein bißchen mehr.

 

24072006

 

Hallo G.,

 

mein Jetzt: Bin etwas verwirrt, muß Dir aber unbedingt schreiben.

 

Ich sitze in meiner Wohnung und habe in den letzten Tagen recht sonderbar Natürliches erlebt.

 

Noch ist es nicht ganz befreit, aber schon fast, und das ist, was ich nicht zu träumen mich traue!

 

Ich bin ein Psycho…ganz normal!

 

Zettel! Arbeit!

 

Aufgaben/Sommer

 

“das Leben ist schön”

 

und mystisch.

 

Ich bin hier!!! Ich weiß nichts. Ich lebe, ich bin Teil des Ganzen, ich gehe meinen Weg, ich ziehe eine Spur.

 

Ich bin Künstler, mache Bilder, ich werde Fotograf. Ich bin ein selbständiges Auge der Gesellschaft, ich bin ein Individuum und Teil des Ganzen. Ich beziehe Stellung. Ich stelle dar.

 

Ich brauche Geld, ich brauche Freude, ich muß mich positionieren, ich brauche Kraft. Ich darf nicht zweifeln, ich brauche einen Ausstellungsort, ich brauche fertige anspruchsvolle Werke.

 

Gegen wen kämpfe ich, warum denke ich, ich müsste gegen etwas kämpfen? Vielleicht sollte ich für etwas kämpfen. Kämpfen sollte ich!

 

2. ENERGIE MATERIE

 

Materie ist Energie. Strahlung ist Energie. Liebe ist Energie. Alles, was wir irgendwie wahrnehmen können, ist Energie. Ich glaube an den Urknall.

 

Keine Ahnung, wie gro? oder klein das Universum in Wirklichkeit ist. Ich kann ja doch nur das betrachten, was mir begegnet und kenne also auch nur unseren Urknall?. Man könnte ihn als eine Idee im Nichts betrachten.

 

Energie ist der wirkende Teil von dem, was ich Gott nenne.

 

Licht ist sehr feine Energie. Unsere Augen tasten die Strahlung ab, unser Verstand macht sich ein Bild und trägt es in die Seele.

 

Entweder es gibt das Licht, damit wir sehen können oder wir sehen, weil es Licht gibt. Wenn man die Beziehung zwischen Licht und Sehen untersuchen möchte, gibt es für mich zwei Betrachtungsweisen: Die wissenschaftliche und die poetische.

 

In der Wissenschaft dürfte man annehmen, daß es Licht gab und daß sich dann per Zufall sehende Wesen entwickelt haben, die durch ihre Fähigkeit zu sehen eine höhere Überlebenschance hatten und sich somit behaupten konnten.

 

Von der poetischen Seite könnte man das Ganze so betrachten, daß der Mensch sehen kann, weil er ein Geschöpf Gottes ist und mit Licht beschenkt wurde.

 

Ich glaube an Evolution und an Gott gleichermaßen, doch die evolutionsmäßige Position erscheint mir schlüssiger als die poetische.

 

Licht gibt Kraft. Licht gibt Erfahrung. Licht gibt.

 

Erleuchtung meint Licht in der Seele. Das schönste Licht ist das, was ich sehe, wenn ich mich freue.

 

So, das soll für den Anfang reichen. Ich habe noch andere Texte vorbereitet, doch würde mich jetzt erstmal interessieren, ob Du damit etwas anfangen kannst und ob ich mich verständlich ausgedrückt habe. Erzähl mir doch mal, wie das mit dem Musikprojekt letztens gelaufen ist.

 

Und denk´ drüber nach, ob Du kommen kannst, das wäre mir was wert. Bis dann – René.

 

Hallo G. 16.8.2006

 

Danke für deine wohlwollenden Worte und Deine Kritik.

 

Ich freue mich, daß Du verstehst, was ich schreibe. Die Gedanken sind alle noch nicht so ganz ausgereift, aber ich komme voran. Ich weiß, daß Du als Atheist Probleich Probleme hast mit dem Begriff Gott. Doch irgendwie glaubst ja auch Du an etwas, zum Beispiel ans Glück. Vielleicht muß man auch nicht unbedingt alles an so Begriffen festmachen. Mir selbst jedenfalls tut es gut, nicht alle Last auf mir allein zu spüren und etwas abgeben zu können. Ich fühle mich wohler als berechtigtes Teil des Ganzen.

 

Im Moment geht´s mir so gut wie schon lange nicht mehr. Ich habe was mit Frauen, ohne ständig in Erklärungsnot zu sein. Ich will vorankommen und gehe gleich zum nächsten Teil über, wir waren beim Thema Licht. …

 

Eigentlich kann man nicht viel sagen über Licht. Weil Licht ist Licht und nicht der Begriff davon. Doch es wäre wohl schade, wenn es für etwas so Wichtiges keine Worte gäbe. Licht hat die Entwicklung des Sehens ermöglicht, jedenfalls für uns hier auf der Erde. Ohne die Sonne hätten sich das Licht und das Sehen nicht entwickelt.

 

Den größten Teil meines Glückes erfahre ich mit Hilfe des Sehens. Da ich Glück suche, beschäftige ich mich also logischerweise mit Lichtbildern.

 

Das Sehen ermöglicht im Gegensatz zu anderen Formen von Sinneswahrnehmung einen bestimmten Abstand zu den Dingen. Manche behaupten, Photographen wären so etwas wie Distanzfetischisten und fürchten sich, das Leben unmittelbar wahrzunehmen. Also bringen sie etwas zwischen sich selbst und die Welt, und das ist die Kamera. Somit nehmen sie das Leben mittelbar wahr und sichern sich einen gewissen Abstand.

 

So oder so, dieser Abstand ist für mich ziemlich wichtig. Wir haben zwar eine Vorstellung von der Sonne, doch sie hautnah zu erleben, das würde uns umbringen. Das heißt, Licht kann uns als Informationskanal für etwas dienen, das wir begreifen wollen, aber dessen Energien zu stark sind, um es unmittelbar zu erfahren. So ähnlich ist das erst einmal mit den Mädchen. Man kann sie sehen, auch wenn man sie noch nicht berühren kann. Das heißt, wenn ich etwas sehen kann, kann ich relativ ungefährdet Informationen darüber sammeln. Es ist auch von Vorteil, eine Landkarte zu haben, bevor man fremdes Gebiet betritt. Das Licht, gekoppelt mit dem Sehen, macht unser Universum weit. Wenn es kein Licht gäbe, wäre unser empfindbarer Bereich unendlich viel kleiner. Auch wenn es nur einige Menschen gäbe, die sehen könnten, hätte die gesamte Menschheit eine Chance, ihren zumindest denkbaren Bereich beträchtlich zu erweitern. So ist das auch mit den anderen Sinnen. Fledermäuse nehmen den Raum über Ultraschallwellen wahr, und es gibt Menschen, die Auren spüren und sehen können. Wer weiß, welche räumlichen Wahrnehmungsformen es noch gibt.

 

Was Menschen und andere Lebensformen in Staaten vergleichbar macht, sind die Prinzipien wie Verteidigung und Ausweitung. Auch Ameisen oder Bienen verteidigen ihr Areal und versuchen es auszuweiten. Solche Funktionen gibt es auch bei Menschen, leider führt das manchmal zu Kriegen. Jetzt wäre es für den Menschen an der Zeit einen anderen Weg zu finden, mit dem Wachstum anders umzugehen. Wir glauben doch gern mal, daß wir weiterentwickelter wären, als andere Lebensformen auf der Erde beweisen!

 

Hallo G. 24.06.2006

 

Die Umsetzung von Interesse und Distanz ist, glaube ich, die Hauptgrundlage für das Schaffen von Werken überhaupt. Man versucht, das Geistige zu manifestieren, indem man jemanden findet, der einem glaubt und findet somit wieder zur Nähe. Das ist ein Spiel, und man kann meinen, daß man sich das auch sparen könnte, und ich glaube auch, daß es ohne diese Spiele viel entspannter wäre. Aber wenn es keinen Sinn machen würde, hätte sich solch ein Prinzip wohl kaum so lange auf der Welt behauptet. Ich denke sowieso, daß es so etwas wie geistige Prinzipien gibt, die sich so ähnlich verhalten, wie Lebewesen in einem Evolutionsprozeß. Das heißt: Wenn sich ein Prinzip bewährt, dann bleibt es, wenn nicht, dann verschwindet es. Jede Idee, die man haben kann, entspricht der Geburt eines Lebewesens, welches sich auch fortpflanzen und entwickeln kann.

 

3. ERDE LEBEN

 

Ich betrachte unseren Planeten grundsätzlich einmal als Energieansammlung mit der Besonderheit sich organisierender Zellen. Andrey hat mir eine Theorie unterbreitet, der zufolge Eis im All schwebt, welches das Leben in sich trägt. Wenn es auf den richtigen Wirt – in unserem Fall die Erde – trifft, dann schmilzt das Eis, und das Leben entwickelt sich. Demzufolge wäre der Keim des Lebens dann vielleicht gar nicht auf der Erde entstanden, sondern erstmal irgendwo anders.

 

Ich glaube an die Urzelle und an Evolution.

 

Das Leben strebt nach sich selbst. Wenn das nicht so wäre, dann gäbe es gar kein Leben, weil kein Wesen kämpfen und demzufolge auch nicht existieren würde. Ich glaube nicht, daß ich erahnen könnte, was Zeit bedeutet, wenn ich nicht leben würde. Die Zeit hat den Rhythmus, sie ordnet das Leben und beschreibt es als Wegstrecke.

 

Man fragt sich manchmal nach dem Sinn des Lebens. Für mich scheint der Sinn des Lebens das Leben zu sein und was man daraus macht. Man kann meinen Gott hat uns erfunden , um wahrzunehmen. Man kann sich bewegen, sich entscheiden, Ja oder Nein sagen und sich in die Unendlichkeit schreiben, indem es in der Gegenwart etwas tut oder es sein läßt. Wenn wir uns entscheiden, hätten wir uns auch anders entscheiden können, haben es aber nicht getan. Für mich bedeutet das: Ich muß mir einen Weg aussuchen und ihn beschreiten, und es wird der einzige sein, den es geben wird. Ich selbst bin das Zentrum meines Universums. (s. Allen Watts Seite 8.)

 

Das Leben gibt der Seele einen Körper.

 

Auch wenn wir Probleme mit diesem Geschenk haben, so eröffnet es uns doch die Welt. Wenn die von Andrey entäußerte Theorie stimmen sollte, nach der ein großer Klumpen Eis im All schwebt, der das Potential hat, an verschieden Orten im Universum Leben zu stiften, stelle ich mir trotzdem immer noch eine Frage: Woher kommt dann dieser Klumpen Eis?

 

Ich la? Dir ein bißchen Zeit, mir Deine Version zu schildern und bin auf Deine Ansichten gespannt. Ich Danke Dir, daß Du Dir Zeit für mich nimmst. Wenn Du bei Kathleen vorbei kommst, groß sie und Luca, schade, daß er noch nicht lesen kann, würde mich interessieren, was er so darüberdenkt. Sie ist verärgert, weil ich Luca nicht holen konnte, wie verabredet. Du weißt, ich kam nicht früh genug aus der Ukraine zurück. Aber wenn ich die Präsentation hinter mir habe, werde ich ihn bald sehen.

 

Mach´s so gut Du kannst, bis bald ? René.

 

4. MENSCH KULTUR KUNST

 

Geschichte ist eine Geschichte ist Geschichtetes Geschichte ist Geschichte ist geschichtetes Geschichte ist geschichtetes Geschichte ist Geschichte ist Geschichte IST gewesen.

 

Nach oder während einem Gespräch mit Kerstin zu einem Gespräch mit Andrey habe ich gedacht:

 

Die Kultur der Menschen kann man als so etwas wie die Seele der Menschen betrachten. Sie ist Hafen für die entdeckten, empfundenen und entwickelten Prinzipien.

 

Diese trägt sie über mehrere Generationen lang und macht manche unsterblich. Die Kunst ist ein Teil der menschlichen Kultur.

 

Die Kunst ist nur fast das Wichtigste. Das Erleben ist das Allerwichtigste, und Bilder können kleine Wegmarken sein, so wie Musik.

 

Das heißt für mich: Die Kunst eröffnet der Seele das Sein auf ästhetischer Basis.

 

Sie ist die Mittlerin zwischen Gefühlen und Gedanken, Imagination und Wirklichkeit.

 

Die Kunst gibt mir die Möglichkeit, scheinbar manifeste Gegenständlichkeiten oder Gegebenheiten, ein Stuhl, eine Gewitterwolke oder einen Sack unter-schiedlich zu betrachten. Sie zeigt, daß ich wählen kann und frei bin und beweist mir immer wieder die Berechtigung für den Begriff Freiheit. Immer kann ich mich entweder für die eine oder die andere Be-trachtungsmöglichkeit entscheiden. Das gefällt mir, weil ich mir und der Welt nicht ausgeliefert bin.

 

Bildnerische Leistungen, Musik oder Literatur sind Mittel zur Realitätsbildung.

 

Das mit Hilfe dieser Möglichkeiten entstehende Gebilde nennt man dann in der Konsequenz Kultur.

 

Irgendwann einmal hat etwas eventuell Bestimmbares den Menschen dazu geführt, Kultur zu entwickeln. Es könnte der Wunsch nach Unsterblichkeit, oder anders: die Angst vor dem Tod, gewesen sein.

 

Oder Sublimation. Kunst kann man schließlich auch als Ausdruck nicht gelebter Sexualität verstehen.

 

Menschen organisieren sich, ebenso wie Ameisen oder Bienen, in Gruppen, in sogenannten Staaten, um dem Ziel des Überlebens besser gerecht werden zu können. Das Leben oder vielleicht sogar das Ganze (Gott) bemüht sich auf zweierlei Arten zu bestehen: Einerseits versucht es neue Prinzipien zu entwickeln, um sich selbst und die unmittelbare Umgebung zu erweitern und damit die Überlebenschancen zu vergrößern. Andererseits versucht es immer, die bereits bestehenden Funktionen und Strukturen zu bewahren. Auch dies sind Motoren, die Kultur erzeugen.

 

Noch bevor es das Leben gab, existierte schon angehäufte Energie (deren Existenz wir uns heute noch mittels Logik zu erklären versuchen), und es entwickelte sich etwas Neues, was unter anderem in unserem menschlichen Bewußtsein mündet. Ich habe eine beschränkte Ahnung, welche wichtigeren oder unwichtigeren Abläufe oder Funktionen noch am Start waren, doch ich glaube viel mehr als ich erahnen kann. Vielleicht sind meine Bilder die Konsequenz dieser ursprünglichen Motivation, etwas Neues zu finden und etwas Altes bewahren zu wollen. Oder etwas zu schaffen, was die Zeit überdauert und länger existiert als man selbst. Vielleicht hilft mir die Arbeit dabei, mein Dasein zu berechtigen. Ich wüßte jetzt kaum noch, warum ich diesem inneren Drang nach Entwicklung und Erhalt nicht nachgeben sollte.

 

4.1. PHOTOGRAPHIE

 

Die technische Entwicklung des Bildermachens durch Menschen hat, soweit ich weiß, vor circa 24 Tausend Jahren begonnen. Damals wurde mit natürlichen Pigmenten auf Stein gezeichnet. Vielleicht gab es auch vorher schon bildnerische Erzeugnisse, die aber nicht auffindbar sind, weil sie vom Regen weg gewaschen oder gefressen oder sonstwie zerstört wurden.

 

Film über Gedanken und

 

Technik bewegt

 

fließend

 

Zeitraum selten (Daumenkino u.?.) reflektierende Flecken/

 

meist selbst leuchtende Flecken

 

Photographie über Gedanken und Technik still momenthaft meist

 

reflektierende Flecken /

 

Selbst leuchtende Flecken

 

Druckgrafik über Gedanken und Technik still momenthaft reflektierende Flecken

 

Malerei über Gedanken und Technik still momenthaft reflektierende Flecken

 

Technik Verhalten im Raum Verhalten in der Zeit Erscheinungsart

 

Nachdem viel später der Realismus und die realistischen Darstellungsweisen in der Kunst an modischem und ideellem Wert gewonnen hatten und jemand herausgefunden hatte, daß man mit Hilfe der photographischen Technik sehr realistische Abbilder herstellen kann, begann die Photographie immer populärer zu werden. Es stellte sich heraus, daß sie nicht nur das realistische Abbilden beherrscht, sondern auch wie alle anderen Ausdrucksformen dazu benutzt werden kann, um individuelle Befindlichkeiten und sinnbildliche Verallgemeinerungen darzustellen. Für viele bekannt gewordene Maler war das Medium der Photographie interessant genug, um damit zu experimentieren und die Felder zwischen Malerei und Photographie zu untersuchen. Was kann das eine, was kann das andere nicht, worin ähneln sich beide? Sowohl die Malerei als auch die Photographie konnten von diesen Experimenten profitieren.

 

Die Photographie eroberte sich also einen Platz unter den Künsten und darf in jedem Fall als eine Bereicherung angesehen werden.

 

Man kann ihr Natürlich nachsagen, daß sie eine Verführung für diejenigen darstellt, die nur überein geringes zeichnerisches Talent verfügen, doch dann könnte man von Malern ebenso behaupten, daß sie nicht die Fähigkeiten haben, eine Skulptur zu hauen. Also sehen wir von den gegenseitigen Geringschätzungen ab. Da sich aber Maler, Bildhauer oder Schauspieler gern herausnehmen, schon mal grundsätzlich etwas Tolles vorzugeben mit ihrem Medium, kann man das auch von allen anderen Ausdrucksformen behaupten. Man erkennt starke und schwache photographische Werke, genau wie man starke und schwache handgemachte Bilder erkennt. Deswegen kann ich, auch wenn meine hohe Wertschätzung der Malerei gilt, trotzdem mehr Freude oder Auseinandersetzung an einer guten Photographie finden als an einer schlecht gemachten Malerei und umgekehrt.

 

Ich habe erkannt, daß ich deshalb angefangen habe zu photographieren, weil ich etwas von der Schönheit des Seins haltbar machen wollte, aber leider nicht ausreichend gut zeichnen konnte. Inzwischen haben sich meine zeichnerischen Qualitäten verbessert, doch meine photographischen bei weitem mehr, und habe ich begriffen, daß die Lichtbilderzeugung scheinbar genau das Richtige für mich ist.

 

Später werde ich mich noch umfassender dazu äußern(S.38)

 

Aus dem “Etymologischen Wörterbuch” Kluge

 

S.280

 

Fotografie (Photographie)

 

foto-, photo-. Dient als Bestimmungswort zur Bildung von Wörtern, die verschiedene Aspekte der Belichtung von lichtempfindlichen Material bezeichnen. Es geht zurück auf gr. (ep.,poet.) phos,gr. (att.) ph?s (photos) Licht (Kompositionsform photo-), das mit gr. phainein ?sichtbar machen, sehen lassen verwandt ist. S. Phänomen.

fotogen Adj., photogen erw. fach. ?gut geeignet, fotografiert zu werden?nach am.-e. photogenic, das zunächst einfach nur photographisch bedeutet. Indem diese Bedeutung durch photograph- übernommen wird, wird fotogenic fürBedeutungsspezialisierungen frei.

Rey-Debove/Gagnon (1988), 726.

 

Fotografie f. (<19.Jh.). Bei den frühesten Versuchen, Bilder mit Hilfe lichtempfindlicher Stoffe zu reproduzieren, wurde (also Sonnenlicht) verwendet, weshalb man die Technik Heliographie nannte (zu gr. helios Sonne und -graphie [s.d.], also ?Sonnenschrift`, vielleicht unter dem Einfluß von Heliograph, ursprünglich ein Verfahren der ?bermittlung von Schrift mit Hilfe von Sonnenstrahlen). Es gelang dann 1835 L.J.M. Daguerre, die Bilder zu fixieren (Daguerreotypie) W.H.F. Talbot 1839, Positiv-Kopien von einem

Negativ herzustellen. Talbot nannte die Bilder photogenic drawing “lichtenstandene Zeichnung”; zur gleichen Zeit benutzte J. Herschel photograph (-ic, [...] -y), das sich dann durchsetzte (vielleicht eine Kreuzung von Heliograph und photogenic). Das Wort Photographie (s.foto-), also ?Lichtschrift`wurde im Deutschen erstmalig 1839 verwendet; die deutsche Bezeichnung Lichtbild war damals schon üblich. Abkürzung Foto.

DF 2 (1942), 508 f.; Rey-Debove/Gagnon (1988), 726.

[...]

Phänomen n. erw. stil. Erscheinung, etwas Ungewöhnliches, aussergewöhlicher Mensch`(<17. Jh.). Entlehnt aus 1. phaenomenon “Erscheinung, Lufterscheinung”, dieses aus gr. phainomenon, zu gr. phainein “sichtbar machen, sehen lassen”. Adjektiv:phänomenal. zu gr.phanein “erscheinen” gehört als Abstrakrum Phase (mit Emphase); zu anderen nominalen Ableitungen Phantasie und Phantom. Zu ähnlichen, aber zumindest nicht unmittelbar zugehörigen Wörter entsprechender Bedeutung gehören Fanal, foto-, Phosphor. – DF 2 (1942),

486-488; HWPh 7 (1989), 461-483.

[...]

 

Phantasie f. (<14.Jh.). Mhd. fantas?e ist entlehnt aus 1.phantasia “Gedanke, Einfall”, dieses aus gr. phantasi? Vorstellung, Einbildung, Erscheinung`, zu gr. phantazesthai ?rscheinen, sichtbar werden` (zu einer Ableitung von gr.phanneiin sichtbar machen, sehen lassen`). Verb: phantasieren; Adjektiv: phantastisch; Nomen agentis: Phantast.

S. Phänomen. – J.W.Walz ZDW 12 (1910), 192; K.- H. Weimann DWEB 2 (1963), 400; Th. Rosenmeyer Poetica 18 (1986), 197-248; G. Lepschy in FS Alinei 2 (1987),

261-274; HWPh 7 (1989) 516-535; LM 6 (1993), 251 f.

[...]

Phantom n. erw. fremd. “Trugbild”(18.Jh.).

S. 473

 

Kontemplation f. per. fach. Nachdenken, Versenkung (<14. Jh.). ntleht aus l. contemplatio (-?-nis), zu l. contempl_r_?sein Augenmerk auf etwas richten, betrachten, berücksichtigen, bedenken?. Aufgenommen durch die Mystiker. Adjektiv: kontempla-tiv.

 

Das lateinische Wort gehört wohl als Präfixableitung zu l. templum n. “Beobachtungskrreis, Tempel” in dessen urspr?nglicher Bedeutung `Ort zu Ausführung der Vogelschau? (s.Tempel)

 

[...]

 

S. 468

 

Kompott n. (<18.Jh.). Entlehnt aus frz. Compote f. ?Eingemachtes?, das überfrühromanische Zwi-schenstufen zur?ckgeht auf l. comp?situm ?Das Zu-sammengestellte`. S. komponieren, Komposition, Kompost, Kumst.

 

Hallo G. 16.5.2006

 

Nun kommen wir zu den Bildern, Es wird langsam Zeit.

Jetzt wird die Sache für mich interessant.

Vielleicht erzähle ich Dir erst einmal eine Geschichte aus meiner Kindheit.

 

Als Kindergartenkind war ich verliebt in Juliane. Wir haben uns im Keller geküßt und Händchen gehalten und sonst welchen Quatsch gemacht, von dem wir uns vorstellten, daß Verliebte so was machen. Und an einem Tag haben wir gemalt, Natürlich zusammen. Sie die Prinzessin, ich den Prinzen, das Ganze haben wir dann mit Rosengirlanden verbunden. Ich hab? meine Hälfte noch. Vielleicht hätten wir tauschen sollen, dann hätte ich jetzt ihre. Und irgendwann wurden wir gefragt, was wir so werden wollen, wenn wir gro? sind. Ich habe gemeint, ich will Maler werden. Da haben sich die Erzieher gefreut, daß ich ihnen die Wände weiß machen will. Von da an mußte ich sagen, daß ich Kunstmaler werden will. Dann habe ich in der Schule ein bißchen gezeichnet und war auch zwei-, dreimal beim Zeichenzirkel. Juliane ist dann in der siebten Klasse weggezogen, nach Rudolstadt.

 

Ich hab´ nicht weiter gezeichnet, dafür aber mein Bruder. Doch das ist eine andere Geschichte. Irgendwann war die Schule jedenfalls aus, und ich wollte weg. Ich mußte ja immer aufräumen und pünktlich kommen und ordentlich angezogen sein und so was, da bin ich dann nach Plauen gezogen und hab Schlosser gelernt.

 

Ab und zu war ich zusammen mit meiner Familie zu Besuch bei meiner Tante in Halle. Einmal war ich auch allein da. Ich glaub, mit 14 oder 16, keine Ahnung, da durfte ich Wein trinken und selbst über Sexualität sprechen. Meine Tante war einfach cool drauf und ein Freund von ihr, der Arno, der lebte da am Kirchtor mit im Haus. Dieser Lebensstil hat mich schwer beeindruckt und angezogen. Von da an war es ein Traum von mir, Künstler zu werden. Es war alles so interessant und nicht so eng. Dort habe ich von mir aus den Müll runter gebracht und eine Pfanne bis zu Unbenutzbarkeit geschrubbt, weil ich das alles dort so toll fand. Es gab Menschen, die ums Lagerfeuer tanzten und Bilder machten.

 

Ich hatte mich verliebt. Nur dachte ich nicht, daß ich so was könnte, weil keine Ahnung…

 

Ich hab´ dann Schlosser gelernt in Plauen, nein Konstruktionsmechaniker für Metall- und Schiffbau … toll. Schuften, Schleppen, Dreck, Lärm, grobe Kommunikation und weiß nicht was. Ich will nicht mehr! Dann habe ich allen möglichen Quatsch gemacht zwischen Kellner und Deckenstreicher. Dann hab´ ich rumgegammelt und in der aggressiven grauen Stadt Zwickau Leute kennengelernt, die irgendwie auch keinen Bock auf Schichten und Schwibbögen hatten. Da hab? ich dann ziemlich viel fotografiert. Weil ich das, was ich mit diesen Leuten erlebt hab, so wunderschön war, daß man etwas davon behalten mochte, und irgendwann hab ich auch wieder zu zeichnen begonnen.

 

5. MEINE BILDER

 

Ich bin Teil des Ganzen

 

Jeder ist Jemandes Sohn.

 

Ich bin ein männlicher Mensch.

 

Meine Bilder sind:

 

dunkel, malerisch, bewegt, weich, warm, einfach, romantisierend,

 

eine Huldigung, Preisung Gottes,

 

ein Teil preist das Ganze und fühlt sich gut dabei,

 

heimlich, still und leise,

 

ich sehe zu, ohne zu verändern (diese Gruppe von Bildern),

 

realistisch, romantisch,

 

konzentriert, verspielt,

 

zwischen Spannung und Entspannung

 

Hallo G.,

 

nach Gespräch mit Andrey heute bzw. nach Uhrzeit gestern hab ich noch mal überlegt: Ich brauche eine schlüssige Technik, zum Beispiel: Dias sammeln und gammeln lassen, scannen und mit Thermosublimationsdrucker drucken.

 

Ich brauche ein Thema, zum Beispiel die Suche nach einem Thema.

 

Und ich brauche eine spezielle Ästhetik, die durch Technik und Auswahl entsteht.

 

Und laut der zu gründenden Diplomgesellschaft in Andrey´s Sinne brauche ich Variationen von Grundformen. Das klingt nach einer Menge Arbeit. Na dann!

 

Eine schriftliche Meditation zu meinen Bildern:

 

Gott sprach: Es werde Licht.

 

Diesen Moment halte ich für eine Metapher.

 

Er hilft mir außerdem dabei, ein Konzept für meine Arbeit zu finden.

 

Erst war es dunkel, dann gab es Licht, zuerst wenig, dann mehr. Am Anfang meiner selbständigen Künstlerkarriere, sofern ich nach meinem Diplom denn wirklich weiter mache, fange ich mit meinen dunklen Bildern an und arbeite mich hin zur Erleuchtung.

 

Ich bin nicht der Erste, der nach seinen Wurzeln sucht, auch ich werde versuchen, Licht in mein Dunkel zu bekommen.

 

Ich will vorsichtig beginnen, ohne über die absoluten Konsequenzen nachzudenken. Nein, das finde ich nicht verantwortungslos.

 

Hätte ich zum Anfang meines Lebens festgelegt, was mir alles begegnen würde, hätte ich nichts erlebt und einige Dinge nicht getan, die mir zu interessanten Erkenntnissen verholfen haben.

 

Wie es die Natur will, beginne ich also im Dunkeln und versetze das Ganze mit einer Spur von Licht. ?

 

Es ist ein romantisierender Blick.

 

Es ist ein einfacher Blick.

 

Es könnte ein logischer Blick sein.

 

Ich treffe eine Auswahl verschiedener Themen, die ich immer mit demselben Blick betrachten werde, um zu vereinfachen und in dieser Beschränkung größtmögliche Kreativität zu erlangen.

 

?Photo? meint als Wortstamm Licht und ?Graphie? kommt von ?Kratzer? oder kratzerartigen Flecken, also bedeutet der Begriff Photographie so etwas wie Lichtkratzerei oder Lichtgrafik. Da aber meine Bilder weniger Grafiken als Malereien sind, nenne ich das, was ich mache, LICHTMALEREI. Das ist mein Titel.

 

Photographien sind materialisiertes Licht, ihr Gehalt an Informationen wird im Moment des Lichteinfalls auf der Projektionsfläche eingefroren und später in Material übersetzt.

 

Wie bei der analogen Technik das sogenannte latente Bild vor dem Entwicklungsprozeß nicht sichtbar ist, ist auch bei der digitalen Photographie erstmal kein wirkliches Bild vorhanden, sondern nur eine Gruppe von An- und Auszuständen. Erst nach dem Entwickeln oder Berechnen für das jeweilige Ausgabemedium ist das Bild tatsächlich sichtbar. Die Frage, welche dieser beiden Möglichkeiten denn die bessere ist, ist für meinen Zweck nicht von entscheidender Wichtigkeit. Die analoge Photographie hat im Vergleich zur digitalen natürlich eine entschleunigende Wirkung und vermeintlich weniger Bilderflutpotential. Doch schon zu analogen Zeiten wurden mehr Bilder geschossen, als man selbst jemals in seinem ganzen Leben betrachten wird. Digitale Photographie hat einzig den Vorteil, daß ich meine Arbeit ohne Qualitätsverlust bequemer und schneller erledigen kann, deshalb nutze ich sie öfter. Schließlich will ich möglichst unbeklemmt experimentieren und mich dem Ergebnis frei und furchtlos annähern können.

 

Hallo G. 16.5.1773

 

Habe heut? nacht geträumt, wir waren in Andrey´s und Angelinas Atelier, da waren Andrey, Angelina, Kerstin und Eva und ich, und die anderen haben mir gesagt und gezeigt, das es nichts nutzt, einen kleinen Fehler im Bild irgendwie weg zu ignorieren, man sieht ihn sowieso. Ich kann mich nicht genau erinnern, ob es wirklich nur ums Ignorieren oder auch ums Retuschieren ging. Auf jeden Fall ging es um Fehler, die einen stören und die auch andere, zumindest die interessierten, Betrachter bemerken. Die Lehre war: Trau dich zu deinen Fehlern und ignoriere sie nicht! Halbseiden wegzuretuschieren oder zu versuchen, sie zu leugnen, bringt keine Pluspunkte.

 

Scheinbar ist das auf die Gesamtsituation übertragbar: Wenn ich mich nicht absolut verhalte, wird man mich und meine Arbeit auch nicht für absolut halten.

 

Jetzt schleicht sich langsam der Gedanke ein, daß ich vielleicht wie viele andere Akademiker keinen Mut habe, mich in die unsichere Zukunft zu wagen und wirkliche Aussagen zu machen. Ich habe gestern einen Film gesehen, ?Idioten?, und was mich an dem Film interessiert hat, war die Frage, ob ich es schaffen kann, in der Öffentlichkeit über die Stränge zu schlagen. Werde ich gut komponierte Bilder machen, die einfach respektiert werden oder werde ich mich auf zweifelhafte Gebiete wagen?

 

Der erste Auftrag in dieser Richtung wird der mit Andrey in der A16 sein. Wir machen dort eine Ausstellung. Wir haben uns Mut auf die Fahnen geschrieben, nun werden wir ihn beweisen müssen. Wir werden keine erfolgsorientierten Rezepte auskosten, um dem Publikum leichtverdauliche Kost zu servieren, sondern die Idioten in uns finden, die „auf Gaga machen“, wie es im Film hieß. Scheinbar ist es wieder an der Zeit, auszubrechen.

 

Ein möglicher Weg, Bilder zu machen, die noch meditativer sind als die für mein Diplom, würde in der Entschleunigung über das analoge Material liegen, nur bezweifle ich, daß ich die Menschen erreiche, indem ich wieder einen Schritt zurück gehe. Für mein Diplom ist es mir lieber, mit aktuellen Techniken zu arbeiten und somit in der Gegenwart zu bleiben. Ich möchte nicht mit vielerorts angesagten Bildfindungskonzepten arbeiten, die ihre Wirkung durch Abgründigkeit erzeugen, sondern lieber mit Hinwendung. Mag sein, daß man mir Weichheit vorwirft, doch damit kann ich leben.

 

Meine Bilder sprechen von Schönheit, von den einfachen Möglichkeiten des Daseins. Es gibt viele Arten, das Glück zu sehen, doch dies reicht den meisten – vor allem jedoch den gebildeten Kritikern – nicht aus. Deshalb stelle ich mir die Aufgabe, den tieferen Sinn meiner Bilder zu finden.

 

Am Anfang schienen mir solche Aufgaben als zwecklos, als verschwendete Zeit, doch langsam begreife ich, das eine geistige Beschäftigung mit Inhalt und Ausdruck meiner und anderer Bilder durchaus Sinn macht, um die Welt der Empfindung mit der Welt des Geistigen zu verbinden.

 

Bilder sind das, was auf ihnen abgebildet ist, sie sind, was sie zeigen. Ihre Entstehungsgeschichte hat viel mit der Haltung des Künstlers zu tun. Meine Bilder wollen das sagen, was sie sagen. Sie sagen das, was der jeweilige Betrachter selbst versteht oder was er dazu assoziiert.

 

Ich fand es schon immer fürchterlich, sich irgendwelche primitiven Interpretationen zu Bildern auszudenken und ihnen damit ihr Potential zu nehmen. Was will uns der Dichter wohl sagen, wenn er schreibt: „ Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken.“ Vielleicht wollte er dies oder das sagen oder jenes oder welches, oder er wollte seinen Lesern einfach einen lustigen Freiraum schenken. Ich für meinen Teil bewege mich gern in Gefilden, wo es keine strengen Grenzen gibt und werde deswegen auch keine näheren Überlegungen zu meinen Bildern anstellen. Ich mag es, daß sie schön sind, ich mag schöne Dinge, und ich will meine Sachen mögen. Außerdem bin ich froh darüber, mich auf der Welt so wohl zu fühlen, daß ich es nicht nötig habe, mich ständig mit Abgründigkeiten zu beschäftigen. Sicher muß man auch das von Zeit zu Zeit tun, aber meiner Ansicht dann auch nur deshalb, um eine schöne Wahrheit schätzen zu können.

 

Als Fotograf wählt man einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit und hebt ihn auf eine Bühne. Wie ein Trüffelschwein habe mich also verhalten und gleichzeitig wie sein Besitzer und sein Dompteur. Ich habe etwas Wertvolles gesucht, habe es gefunden und anschließend angeboten. Ich will nicht belehren, erklären oder moralisieren, jedenfalls nicht, wenn es nicht unbedingt sein muß.

 

Meine Bilder sollen einen leisen Zugang zu lichtbeschriebenen Realsituationen geben. Es dürfen zwar konkrete Dinge abgebildet sein, doch müssen sie unaufdringlich und beliebig deutbar bleiben. Trotzdem meine ich kein reines Konzeptzeug. Reines Konzeptzeug interessiert mich wenig, sonst wäre vielleicht mein Ansatz gewesen, immer nur einen Körper in derselben Situation mit demselben Licht und demselben Ausschnitt zu photographieren.

 

Die Arbeiten sollen dabei so einfach wie möglich sein, auf daß man sich nicht geistig an ihnen erhängen muß. Ich betrachte sie als Angebote , l?se mein ego davon und gebe sie weiter. Ich habe zwar die Früchte gesammelt, doch den Salat muß man sich selbst machen.

 

Die Begriffe „Finden“ und „Glück“ gehören zusammen. Glück gehört Außerdem zur Kunst, auch wenn das gern verleugnet wird. Unserem zeitgenössischen europäischen Verständnis nach muß die Kunst, wenn sie gut sein soll, kritisch sein oder etwas aufzeigen oder auf etwas hinweisen. In jedem Fall sollte sie etwas Geistiges materialisieren.

 

Daß dabei die Freude und das Glück des Schaffenden nicht berücksichtigt werden, mag wohl daran liegen, daß der Betrachter in erster Linie sein eigenes persönliches Glück sucht. Es ist ihm vielleicht auch im moralischen Sinne irgendwie unangenehm, das Glück eines anderen zu betrachten oder es bewußt mit in die Betrachtung einzubeziehen. Eigentlich ist das sehr schade, wenn man bedenkt, daß das Glück der anderen oft auch das eigene sein kann.

 

Die Über-Bildung des Geistes kann dazu führen, daß man in manchen oder vielen Situationen sein Glück nicht wirklich empfinden und sich ihm Öffnen kann. Deshalb versuche ich, meine Bilder so einfach wie möglich zu gestalten, auf daß man sich nicht geistig an ihnen erhängen muß. Und versuche somit, dem einfachen Sein wieder näher zu kommen um über Sublimation wieder zur Kontemplation zu kommen und dies vielleicht als mögliche Haltung anzubieten.

 

Ach ja, Sublimation:

 

Kunst und Sexualität sind für mich untrennbar.

 

Man kann Kunst als Übersetzung der Triebe unausgelebter Sexualität verstehen.

 

Sexualität scheint begründet im Drang des Lebens, sich selbst zu erhalten. Doch geht das bei Menschen meist, wie schon beschrieben, über Ernährung und Fortpflanzung hinaus (siehe bei Kultur ? weiter vorn). Das heißt, Kunst ist Luxus, da es auch Lebewesen gibt, die selbst den Begriff Kunst und seine Bedeutung nicht kennen. Nun ist die Frage, ob es einen kunstfreien Raum gibt. Vielleicht so ähnlich wie man sich fragen kann ob es einen energiefreien Raum gibt, und wenn dann wo?

 

Ist er zwischen den Dingen wie vielleicht das Vakuum zwischen den Teilchen denkbar wäre ?

 

wenn man Kräfte mit denkt wohl kaum,

 

beeinflußt die Kunst das ganze Universum?

 

Da ich das Leben als Wunder betrachte und das Kunstschaffen über den einfachen Lebenserhalt hinausgeht, kann man die Kunst vielleicht als Krönung des Lebens betrachten.

 

Natürlich kann man auch anderen Luxus als die Krönung menschlichen Daseins betrachten, aber ich bin Künstler.

 

Mich interessiert, mit welchen Intentionen die größten Werke entstanden sind.

 

Das Gute an wirklich guten Arbeiten ist die Spannkraft, welche sich dem Betrachter übermittelt und somit ein bestimmtes Maß an (sexueller) Energie transportieren kann und das über das physische Bestehen des Schaffenden hinaus.

 

Ich habe Beschreibungen zu einer von mir gezogenen Tarotkarte gelesen (acht Schwerter):

 

Sie meint so etwas wie: Die verwirrenden Gefühle und Ängste, mit denen wir an der Oberfläche konfrontiert werden oder die wir uns durch Hindernisse in der Außenwelt abholen können. Und mußte durch ein Tal mit dichtem Gestrüpp. Warum aber bin ich so gestrickt wie ich bin? Es kommt, wie es kommt, und es wäre so oder so richtig, egal wie ich mich entscheide. Ich wollte die Güte und habe sie oft gelebt und halte mich eigentlich auch für einen Verfechter derselben und ehre Menschen, die sich ihr hingeben. Das Wichtigste ist, sich in der Liebe so stark zu verhalten wie man kann.

 

Ich muß drei Aufgaben erfüllen, die meine Arbeit betreffen: Mein Atelier startklar machen für morgen und zur Konsultation etwas Sinnvolles, Reifes vorweisen können und endlich Marcel das Birkenwäldchen überreichen, sonst werde ich wahrscheinlich unzufrieden.

 

Wenn Gott uns als selbständige Wesen geschaffen hat, muß er mir auch die Gelegenheit gönnen, mich selbst zu entwickeln und mir zuhören. Wenn er will, daß wir etwas Neues entwickeln, muß er dafür auch die Zeit aufbringen.

 

Also warte bitte einen Moment.

 

Danke, sagt – René

 

Einen Tag später: Danke, ich mache mich auf den Weg, auch wenn ich noch nicht ganz genau weiß, was ich dort tun kann.

 

Peter und Christine waren bei mir. T.O. ist in der Schweiz, glaube ich.

 

Ich habe ihnen einige Abzüge gezeigt, in zwei einfachen gebeizten Rahmen. Das erste, was Peter meinte, war: Die Rahmen gehen ja wohl überhaupt nicht (Farbigkeit einklemmen, inkonsequent).

 

Das Zweite: Die Abzüge sind klasse.

 

Als Christine kam, haben wir zusammen gesprochen. Sie meint auch, die Rahmen sind unmöglich.

 

Wir haben dann gemeinsam einen Weg gefunden, wie ich mit meinen Bildern klar kommen kann. Und zwar betrachte ich sie wie gemalte Bilder, die ich deshalb gemacht habe, weil es sie noch nicht gab und präsentiere sie wie Gemälde in Bilderrahmen, in prunkvollen, aufwendig hergestellten Rahmen wie sie in Museen für klassische Ältere Gemälde verwendet werden. Es wurde mit Peter besprochen, daß es jetzt interessant wäre, sich mit Licht auch physikalisch zu befassen und einen Bezug zum sichtbaren Licht und zu anderen Spektren von welliger Energie herzustellen.

 

Die Bilder, die ich schaffe, haben unter anderem den Anspruch, zumindest den Moment, in dem sie aufgenommen wurden, zu überdauern. Laut Aussage des Druckers sollen sie sogar garantiert siebzig Jahre überdauern. Das ist scheinbar länger, als mein Körper im jetzigen Grundzustand noch existieren wird. Also eines meiner Ziele wird sich somit erfüllen. Natürlich sind diese Jahreszahlen nur relativ genau, da schon allein die Einwirkung von Licht sich sehr stark auf die Lebenszeit der Bilder auswirkt. Ob mit den angegebenen siebzig Jahren eine Zeit gemeint ist, nach der man die Bilder aus einer säurefreien, staubtrockenen, exakt temperierten und strahlungsarmen Mappe zum Betrachten rausholen kann und dann immer noch erkennen kann, worum es geht? Oder meint er siebzig Jahre in diffusem Licht einer Galerie oder in Mexiko im gleißenden Sonnenlicht aufbewahrt? So genau d?rfte das noch gar nicht zu wissen sein, da ja alle Tests bisher nur höchstens fünf Jahre gedauert haben können, weil die Technik des digitalen Leinwanddrucks ja erst vor fünf Jahren ausgereift war. Ich habe mehrmals von einer Geschichte gehört, nach der Rembrandt, (oder war es Dürer) 500 Jahre (oder waren es 250 Jahre) Garantie gegen Durchrostung gegeben hat, und es hat funktioniert. Vielleicht muß man nur daran glauben, oder es einzuschätzen wissen, oder muß sich nach den ersten hundert Jahren aus dem Staub machen. Ich vielleicht sogar schon nach den ersten 20, das wird dann wohl zu einem Problem. Vielleicht sollte ich versuchen, meine Bilder noch etwas besser zu schätzen und sie in irgendeine Mappe tun.

 

Die meisten Menschen sehen die Farben im Spektrum des Regenbogens, also die ganze Farbskala von Rot bis Violett. Im wissenschaftlichen Sinne ist Farbe ein bestimmter Frequenzbereich, der sich zwischen Wärmestrahlen und ultraviolettem Licht befindet. Das heißt, wenn unser Auge einen anderen Frequenzbereich erfassen könnte, wie das bei manchen Aurasichtigen möglich ist, dann könnte man die Welt auch ganz anders betrachten. Als gewöhnlicher Mensch jedoch konzentriere ich mich auf den Frequenzbereich, den wir hier gemeinhin Licht nennen.

 

Mein Farbspektrum heißt sichtbarer Regenbogen oder vielmehr das, was CMYK davon übrig l?äßt. Ich kann auch RGB nehmen, das entscheide ich noch, in jedem Fall also Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett in verschiedenen Abstufungen. Zwar hat auch schwarz-weiß seine Reize, aber schließlich mache ich nicht Lichtgrafik, sondern Lichtmalerei.

 

Ich hoffe weiterhin auf konstruktive Kritik.

 

Hallo G.

 

Hier nun der wahrscheinlich letzte Brief, bevor es zur Sache geht und einige andere Leute diese ganzen Seiten lesen und kritisieren werden.

 

Ich bin im Moment ziemlich schwach und kann kaum meinen Aufgaben nachgehen, liegt wohl daran, daß ich mir so viele annehme. Aber ich glaube eben, auch wenn das vielleicht zu recht kritisiert wird, daß ich sie alle erfüllen muß, um mein Leben als erfüllt betrachten zu können.

 

Es sind zum Beispiel ein Sohn, ein Diplom, ein Job, es sind Freunde, denen ich gern helfe, und irgendwo bin auch noch ich mitsamt meiner Bedürfnisse und will auch mal einfach ein paar Minuten damit verbringen zu atmen, mein Herz schlagen zu lassen und mein Dasein zu empfinden, ohne irgend etwas anderes zu tun.

 

Realität ist eine Konstruktion, zumindest bei in Begriffen denkenden Menschen (Brecht: ?Begriffe sind die Hebel an den Dingen, mit denen wir sie bewegen.? Ich würde gern dazu fügen: Erst mal in Gedanken bewegen).

 

Was wir für die Realität halten, ist also eine von uns ?gestrickte? Sicht auf die absolute Realität. Ich glaube, zu wissen, daß es eine absolute Realität gibt. Doch wie sie wirklich im Einzelnen und Ganzen beschaffen ist, können wir als Teil von ihr nicht erkennen. Es gibt wohl einen Zustand, in dem der Mensch ein Gefühl von Ganzheit erfahren kann. Man kann ihn durch Meditation erreichen. Soweit ich weiß, nennt man ihn Kontemplation. Wenn ich mit meinen Bildern dort ankäme, wäre das für mich das Größte.

 

Ich kann nur etwas bewirken, indem ich sinnvolle Ansätze im Geist gut anbinde an den Rest. Warum nur geht es mir immer um mein Ego? Wahrscheinlich ist das normal. Aber ich denke ? erst mich heilen ? dann schlaue Sprüche machen.

 

Lisa hat mir ziemlich weh getan. Sie will mit einem Mann zu einem Konzert, zu dem ich gedachte mit ihr hinzugehen.

 

Übrigens Ina hilft mir bei der Korrektur der Texte.

 

Mach´s gut bis bald – René.

 

Hallo G. 12.06.2006

 

Langsam krieg´ ich mich wieder ein, und schreibe einfach weiter, was bleibt mir übrig? Sie ist dann auch gar nicht da hin gegangen. Das war sozusagen nur das Ende eines Spiels, war schön, dieses Gefühl mal wieder zu kosten. Irgendwann werde ich der Richtigen begegnen. Ich habe gestern mit Andrey und Angelina gesprochen, habe wieder Selbstvertrauen muß nur aufpassen, daß ich mich nicht unter Wert verkaufe.

 

Ich will, daß man sich an mich als einen Menschen erinnert, dessen Arbeit die Bezahlung wert war und der ernsthaft interessiert war am Leben und seinen Funktionen.

 

Ich bin das Volk oder zumindest ein Teil davon, und das, wovon man ein Teil ist, ist aus der Ferne betrachtet ja immer ein Ganzes, und das Ganze steht fürs Allgemeine. Natürlich ist jeder Mensch, einzeln betrachtet, ein Teil, so wie jeder Apfel anders ist als der nächste, aber wenn man abstrahieren und verallgemeinern will, kann man Ähnlichkeiten unter Äpfeln finden oder eher noch unter Apfelbäumen, die in ihrer Komplexität eher mit Menschen vergleichbar sind. Und irgendwo kann man Apfelbäume mit Buchen vergleichen, und es wird Sinn haben, weil jeder Vergleich eine Unterscheidung macht.

 

Ich benutze Verallgemeinerung und Individualisierung also zur Verortung.

 

Andrey meint, ich würde die Menschen, die ich mit Volk meine und gern erreichen würde, sogar beleidigen, indem ich uns zusammenfasse. Aber diese Abstraktionen dienen mir, wie gesagt, nur zu Verortung, und ich muß ja ein komplexeres Verständnis des Ganzen erlangen.

 

Diese Art, sich ein Bild von der Welt zu machen, nennt man wohl analytisch. Aber nur alle Dinge als Teil eines Ganzen zu betrachten, würde das Universum zwar auf einen Punkt bringen, und der wäre zwar unendlich gro? oder klein, aber dafür nicht besonders bunt.

 

Da mir meine Empfindungen zeigen, daß es Verschiedenes und Ähnliches gibt, neigt mein Geist, wahrscheinlich motiviert durch ein jahrmillionen altes Prinzip, dazu, Dinge einzuordnen. Es nutzt mir dazu, Massen an Informationen aufnehmen zu können und dabei nicht wahnsinnig zu werden.

 

Die Alternative dazu, die mir jetzt einfüllt, wäre: Alles als gleich zu empfinden. Oder zu meinen: Da alles eins ist, gibt es kein anders, und alles, was ist und was man tut oder sein läßt, meint das gleiche und verhält sich gar nicht. Dies jedoch ist ein Unzustand für ein lebendes Wesen.

 

Sich diesen beiden vorstellbaren Zuständen anzunähern, macht für mich Sinn. Doch würde man die andere Grenze zwischen dem Unüberschaubarem und dem absolut Individuellen schließen, hätte Gott wahrscheinlich in diesem Ort das absolute Bewußtsein. Vielleicht gibt es Menschen, die diesen Zustand wahrhaft empfinden können.

 

Wir haben viel gelernt in den letzten Jahren. Nun ist es an der Zeit, es loszulassen und die Interpretation dann der Zukunft zu übergeben, sonst wird es keine neue Erkenntnis geben.

 

In der Diplomarbeit von Andrea habe ich eine schöne Metapher gelesen. Und zwar geht es darum, daß Ideen wie Gebirge sind, große Brocken, und daß diese mit der Zeit zermahlen werden, bis nur noch Staub davon übrig ist. Nun sind alle großen Ideen zermahlen sind, und es ist an der Zeit, neue zu schaffen. Die Krise, die es braucht, um neuen Wind zu machen, ist gegeben, und wenn wir leben wollen, müssen wir den Staub hemmungslos, radikal und konsequent einschmelzen, um wieder einen frischen Brocken zu konstatieren. Vielleicht sortieren wir vorher noch die verschiedenen Sünde grob, damit ihr Gehalt sich bündeln kann und man in den neuen großen Brocken das Alte noch erkennen kann. Wir brauchen wieder etwas Einfaches. So zermahlen wie die ganze Ideenkultur jetzt ist, nutzt sie uns nichts. Man kann darauf weder Häuser bauen, noch sicheren Stand finden.

 

Das Prinzip der Bewegung jedoch, welches für das Leben zwar ein wichtiges ist, führt aber nur zu Winden im Treibsand.

 

Jede Generation hat ihre Krise, die sie zu überwinden hat. In der für mich überschaubaren Zeit scheint es alle 50 Jahre eine zu geben und dann vielleicht noch eine größere alle 2000 Jahre. Daß es so, wie es ist, nicht weitergehen kann, spürt ja wohl jeder. Nun ist es wichtig, diesen Gefühlen mit Vernunft zu einer neuen Form zu verhelfen, und das Ganze nicht mit Panik und Hetze zu machen.

 

Dank unserer Vorarbeiter und Vordenker haben wir die Möglichkeit dazu. Seit Jahrhunderten kämpfen Menschen um Grundsätze, um eine Möglichkeit, allen Lebewesen bestmögliche Lebensbedingungen zu bieten. Einige der Schlagworte, die ich meine, sind: Demokratie, Freiheit, Frieden, Verständigung, Vernunft, Liebe.

 

Vernunft meint weniger Ausbeutung und vielmehr Verständigung: Nur ein Organismus, der ganz durchblutet und bewußt ist, ist gesund.

 

Demokratie meint für mich, der Mensch ist nicht nur dann ein Mensch, wenn er am Ende eines großen Hebels sitzt und den auch mit dummen Ideen leicht gegen größere Mengen Andersdenkender biegen kann. Irgendwann kommen sowieso die vom kürzeren Ende wieder auf die andere Seite und panieren den, der dort sitzt, wenn er ständig tut, was den Kräften der Masse widerspricht. Wir sollten den Hebel nicht gegen uns verwenden, sondern für uns, und wenn wir schon ein Gegen brauchen, dann gegen das, was dem Leben und dem Glück schadet.

 

Einen Schmelztiegel brauchen wir, aber einen VERNÜNFTIGEN.

 

Die Widersprüche, die sich zeigen, sind unsere Aufgabe, und Aufgaben braucht ein Mensch, um sein Dasein zu berechtigen und seinem Leben einen Sinn zu geben. Wieso also nicht eine vernünftige Aufgabe, die uns hilft, eine positive Welt zu schaffen, in der das Miteinander kultiviert wird. Einen Organismus, der sich nicht selbst zerstört, sondern vital in eine Zukunft voller Leben und interessanten Erkenntnissen steuert?

 

Lange haben wir gebraucht bis die Wissenschaft respektiert wurde, jetzt haben wir sie und können eine Vorstellung entwickeln, die uns mehr eröffnet, uns befähigen kann, einen großen Teil des Universums zu besetzen. Doch geht das Ganze nur dann, wenn der Organismus gesund lebt. Wenn wir uns um Kriege und Zerstörung bemühen, wird das Prinzip Mensch sicher nicht lange präsent sein. Wir müssen uns schützen, pflegen und entwickeln und uns interessiert und vernünftig bewegen.

 

Wie also kann man einen oder mehrere vernünftige Schmelztiegel organisieren, ohne dem Geschwür zu verfallen.

 

Man muß reine Ideen finden, die den Ganzen Organismus zusammenhalten und auch neue Prinzipien ermöglichen. Ich denke, wir als Künstler haben die Möglichkeit solche Grundmarker zu setzen. Damit genügend gesunde Grundmarker vorhanden sind, müssen wir versuchen, möglichst im Ganzen zu denken und für die jeweiligen Organe ein gesundes Gen zu finden oder zu erfinden.

 

Auch unsere spirituellen Kerne haben eine Aufgabe. Vielleicht sind es eher sie, die diese Gene finden und wir sind nur diejenigen, die sie weiterleiten müssen, damit sie sichtbar werden. Ich versuche durch einen Vergleich zu verstehen, was unsere Weltbevölkerung ist. Ich beginne meine Kette bei einer einzelnen lebenden Zelle und denke weiter übermehrzellige Lebewesen, in denen sich mehrere Einzelzellen zu einem größeren Organismus formieren. Diese wiederum bilden Gruppen, welche ich als lebendigen Organismus begreife. Am Menschen betrachtet gibt es Dörfer, Städte und Staaten. Wir müssen alle einen gesunden passenden Platz finden sonst stirbt das Prinzip Mensch. Wir sind ein lebender großer Organismus. Jetzt ist die Zeit, da sich mehrere Organismen durchmischen und einen neuen großen bilden, man nennt das Globalisierung. Daß dies an manchen Stellen weh tut und Loslassen nicht leicht ist, ist irgendwie klar. Es gibt Reibung und Kanäle werde geöffnet. Wir bilden einen neuen Organismus, dessen Einzelkulturen es vorher schon gab. Diese werden seine Organe, eine Weltbevölkerung, die durchwachsen funktioniert.

 

Hier eine kleine Geschichte zum Thema „Unfähigkeit zu handeln“:

 

Mir ist vorhin etwas begegnet. Ich habe drei Kinder von scheinbar sozialstatusanzweifelbarer Herkunft spielen sehen. Es war schön, zu sehen, wie sie trotz des schwierigen Gewusels in einer Situation auf dem Fußweg mit mehreren Fahrrädern und Menschen sich eigentlich unbeholfen und fast unkontrolliert bewegt haben. Sie haben sich nicht verletzt und sind noch nicht einmal wirklich aneinander geraten, dann habe ich mich von Manuela verabschiedet und mich entschlossen, zum Schreiben nach Hause zu gehen. Dabei bin ich den Kindern wieder begegnet, und ich fand es erschreckend, wie das größere von ihnen aus scheinbar erzieherischen Gründen das mittlere maßregelte. Das große war vielleicht zehn Jahre alt, das kleinere vielleicht vier oder fünf, und das mittlere sechs oder sieben. Das größere hat also dem mittleren recht grob die Richtung gewiesen, hat ihn am Kragen genommen und zum Fußweg auf der anderen Seite der Wiese gebracht und gesagt, daß er von der Straße wegbleiben solle. Scheinbar hatte er die Aufgabe, sich um den jüngeren zu kümmern. Der aber wollte frei sein und geht zum Fußweg auf der Straßenseite in die Sonne und schaut sich eine Blume an, woraufhin sich der größere angeregt sieht, ihm zu sagen, daß er den Ärger mit dem Vater dann eben selbst zu verantworten hat. Dann sagt er dem mittleren, der müsse jetzt hineingehen und drängt ihn ins Haus, von wo eine Frau laut irgendwas ruft, der Junge weint.

 

Der kleine und der größere sind draußen, der Vater kommt mit zwei großen Einkaufstüten aus dem Plus.

 

Ich habe es nicht geschafft, etwas zu sagen, aber ich hoffe, daß es allen gut geht und der mittlere seinen Weg findet. Natürlich auch der größere. Von dem kleinen weiß ich nichts.

 

 

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DiplomReneSchäffer.pdf